AUCH NACH DEM URLAUB GILT:
Immer schön passiv bleiben

Jede Bewegung schwächt! Widerstehen Sie den reißerischen Aufrufen zur Umschichtung von passiven in aktive Anlagen. Wer Ihnen das rät, will nur Ihr Bestes – nämlich Ihr Geld… 

 

Während Sie hoffentlich in den letzten Wochen Sonne satt bekommen haben dominierte in der Finanzpresse die dunkle Warnung vor passiven Investments.

Die PR-Abteilungen der großen Kapitalanlagegesellschaften sowie auch bekannte Fondsmanager waren sehr aktiv und verkündeten in geradezu verdächtiger Einigkeit, dass die Zeit des passiven Anlegens abgelaufen sei.

Kluge Privatanleger sollten jetzt besser wieder in den sicheren Hafen aktiver Fonds zurückkehren. Denn die Phase des marktbreiten Aufschwungs sei vorbei. Und somit wieder die Qualität aktiven und selektiven Investierens gefragt. Die eben nur ein professioneller Fondsmanager bieten könne. Aha… So so…

Zur Erinnerung: Passive Investments – insbesondere indexgebundene ETFs sowie indexnahe Assetklassenfonds – versuchen sehr kostengünstig und transparent, die auf den Finanzmärkten erarbeitete Marktrendite an den Anleger weiter zu geben (siehe meinen Blogbeitrag „Fortdauernde Niedrigzinsen – Was tun?“).

Hingegen versuchen aktiv gemanagte Investments – insbesondere traditionell durch einen Fondsmanager betreute Fonds – durch zwei Arten von Maßnahmen, nämlich Einzelauswahl (Stock Picking) und durch den „richtigen“ Ein- bzw. Ausstiegszeitpunkt (Market Timing), die Rendite des Gesamtmarktes zu übertreffen.

Dies gelingt aber in der ganz überwiegenden Zahl von Fällen nicht – ganz im Gegenteil. Denn erstens haben auch die aktiven Fondsmanager keine Kristallkugel und zweitens lösen ihre Analyseversuche und Handelsaktivitäten erhebliche Kosten aus, die wie ein Gegenwind auf das Erreichen der Marktrendite wirken.

 

Der ausgewiesene Fachexperte Michael Ritzau (Erfolgsautor des Sachbuchs „Die große Fondslüge“) argumentiert weiterführend, dass die Marketing- und Werbekosten der aktiven Fonds zusätzlich renditemindernd wirken.

Und genau diese Werbung der aktiven Fonds habe ich für Sie genauer angesehen. Und kann diese Werbung mit all ihren falschen Argumenten zerlegen. Und zwar kostenfrei 😉

 

Fehlargument 1

In den rund zehn Jahren seit der Finanzkrise seien die Märkte überwiegend gestiegen. Dies seien ideale Bedingungen für passive Anlagen gewesen – man habe ja durch die marktbreiten Gewinne ohne jede Aktivität und mit folglich geringeren Kosten ordentliche Ergebnisse erreichen können. In der Zukunft werde dies aber grundsätzlich anders. Denn trotz stagnierender oder sogar sinkender Indizes, könnten aktive Manager für ihre Kunden Mehrwerte erzielen und den Markt schlagen.

Gegenargument 1

Sollten die Märkte wirklich stagnieren oder sogar zurückgehen, dann werden auch die – mit völlig unterschiedlichen Strategien und Investmentansätzen agierenden – aktiven Fonds im Durchschnitt stagnieren oder zurückgehen. Und zwar insgesamt noch etwas stärker als der breite Markt, allein schon wegen ihrer zusätzlichen Kosten (also grob 2–2,5% p.a.).

Woher bitte kommt der Optimismus, dass Manager, die in steigenden Märkten den Durchschnitt nicht erreichten, dies nun „automatisch“ in fallenden Märkten schaffen sollten?

Außerdem:

 

Lesen Sie vertiefend meine beiden Blogbeiträge „Crashnachrichten – Ruhe bewahren“. Das sind die mit dem Bremsen nach dem Geblitzwerden und den Rosen im Winter…

 

Fehlargument 2

Nur aktive Fonds könnten in Abwärtsphasen schnell den Markt verlassen und damit das Vermögen der Privatanleger weitgehend retten. Hingegen seien Anleger in passiven Anlagen auf Gedeih und Verderb der Indexentwicklung ausgeliefert. Sie müssten voll durch das Tal der Tränen gehen.

Gegenargument 2

Erstens ist bei historischen Kurseinbrüchen zu beobachten, dass aktive Fondsmanager z. T. das Kunststück schafften, den Indexverlust sogar noch zu übertreffen. Sie haben sich in der Krise schlichtweg „verzockt“, wurden „auf dem falschen Fuß erwischt“ oder sind „schlechten“ Handelssignalen oder Indikatoren gefolgt.

Hinterher weiß man es immer besser. Und ob ein Handelssignal „gut“ oder „schlecht“ ist, erweist sich erst nachträglich. Das ist der Fluch aktiven Handelns und der Grund, warum ich konsequent davon abrate.

Zweitens: Wenn ein Fondsmanager jedoch tatsächlich geringere Verluste in der Abschwungphase hinnehmen musste, dann sind zwei Fragen zu stellen.

Wie viel Rendite hat er – zuvor und auch danach – gegenüber dem Markt verloren, da er Kosten für Absicherungsinstrumente zu tragen hatte? Und hat sich die Absicherung über einen längeren Zeitraum bezahlt gemacht?

Die Antwort ist bei langfristiger Betrachtung stets: Nein.

  

Drittens kann ein Fonds auch ohne Absicherung zu geringeren Verlusten gegenüber der Passivanlage kommen, weil die Anlegergelder eben nicht vollständig in den schwankungsgefährdeten Aktien investiert sind, sondern teilweise in Anleihen oder sogar als Liquidität gehalten werden.

Beispielsweise könnte es sein, dass der Fondsmanager nur zwei Drittel der Mittel in Aktien investiert hat. Verliert der Fonds gegenüber dem Vergleichsindex nun auch nur zwei Drittel, so steckt dahinter keine Managementleistung, sondern nur pure Arithmetik.

An dieser Stelle erkennen Sie sofort, dass hier mit zweierlei Maß gemessen wird.

Denn wenn Sie einen definierten Geldbetrag nur zu zwei Drittel in eine passive Anlageform stecken und das verbleibende Drittel auf einem Geldmarktkonto parken, haben Sie den identischen Effekt.

Und zwar ohne für das Drittel einen Ausgabeaufschlag und hohe jährliche Kosten bezahlen zu müssen. Die anderen zwei Drittel, die in die passive Anlage gehen, verursachen rund ein Achtel bis Zehntel der Kosten des aktiven Investmentfonds.

Lesen Sie vertiefend meine Blogbeiträge „Konstruktive Crashgedanken“. Das sind die mit dem entlarvenden Geschäftsmodell der Crash-Propheten und der Crash-Matrix…

 

Fehlargument 3

 In volatilen Märkten – also solchen mit größeren Kursschwankungen – können aktive Manager ihre Stärken besser ausspielen. Deshalb sollten Privatanleger sich angesichts zu erwartender höherer Schwankungen nun lieber einem aktiven Manager anvertrauen.

Gegenargument 3

Erstens steht es keineswegs fest, dass die Marktvolatilität steigt (Sie wissen schon: alles kann passieren – auch das Gegenteil).

Zweitens bedeutet Volatilität eben nicht nur, dass Aktienkurse fallen, vielmehr könnten diese auch ansteigen.

Und die – durch empirische Untersuchungen gestützte Erfahrung zeigt, dass aktive Manager in Phasen steigender Kurse oft zu lange zögern, bis sie wieder „einsteigen“. D. h. sie halten zu lange zu viel Liquidität und kaufen die Aktien dann zu höheren Kursen, die sie zu einem früheren Zeitpunkt viel billiger in den Fonds hätten hineinkaufen können.

Kurzum: im Vergleich zur passiven indexnahen Anlage laufen sie dem Markt hinterher.

 

Lesen Sie vertiefend meine beiden Blogbeiträge „Rückkehr zum Mittelwert bei der Geldanlage“. Das sind die mit den kurzen Beinen und des Wanderers jungen Hund…

 

Und was bedeutet das nun konkret für Sie?

  1. Glauben Sie nicht den Besitzern von Kristallkugeln, dass uns ein massiver Crash unmittelbar bevorsteht. Kursrückgänge oder Crashs können immer passieren, jedoch stehen wir keineswegs am Rande des Abgrunds. Allein die hohe Anzahl pessimistischer Marktteilnehmer und das kritische Marktgefühl (Sentiment) sprechen gegen eine Blase, die geradezu zwangsläufig platzen müsse.
  2. Meine aktuelle Einschätzung entspricht meiner generellen Einschätzung. Niemand kann Kursentwicklungen systematisch vorhersehen! Ausnahmen sind – abgesehen von der illegalen Ausnutzung von Insiderwissen – Glückstreffer. Und wenn ein Blinder lange genug mit Schrot auf die Spatzen schießt, kann es gut sein, dass er mal einen trifft.
  3. Wenn Sie einen langfristigen Anlagehorizont haben, z. B. weil Sie Geld für die Altersvorsorge anlegen und dieses erst in etlichen Jahren benötigen: Halten Sie die Füße still und tun Sie überhaupt nichts! Gehen Sie ruhig durch das Tal, denn nur so sind Sie vom ersten Meter des nächsten Aufstiegs wieder mit dabei. Und dies extrem kostengünstig.
  4. Wenn Sie einen kürzerfristigen Anlagehorizont haben, und gleichzeitig das Gefühl, dass Sie Ihre Risikoscheu und Ihre Ängste bislang unterschätzten, dann reduzieren Sie lieber Ihren Aktienanteil im Gesamtportfolio, als dass Sie von preiswerten passiven Anlagen in teurere aktive Aktienfonds wechseln. Ihren Aktienanteil können Sie am kostengünstigsten reduzieren, indem Sie Erträge nicht wieder in Aktien anlegen, sondern in die Liquiditätsreserve packen. Oder z. B. als Xetra-Gold oder Euwaxx-Gold anlegen.
  5. Nur wenn die Maßnahmen unter (4) nicht ausreichend sind, nehmen Sie Transaktionskosten in Kauf und realisieren Gewinne durch Verkauf von ein paar Aktien oder ETFs. Die hierdurch gewonnene Liquidität legen Sie dann zwangsläufig recht zinsarm bzw. zinsfrei an, wie unter (4) beschrieben. Das muss Ihnen dann aber die Beruhigung wert sein, dass dieses Geld nicht mehr dem Kursrisiko ausgesetzt ist. Es ist und bleibt eben immer eine Abwägung zwischen Kursrisiken und -chancen einerseits und den Opportunitätskosten der risikofreien Anlage andererseits.
  6. Auf keinen Fall „lösen“ Sie das Scheinproblem, indem Sie dem Ruf der Rattenfänger folgen und passive in aktiv gemanagte Anlagen tauschen. Denn neben dem Nachteil zusätzlicher und in Zukunft konstant höherer Transaktionskosten würden Sie trotzdem im Kursrisiko bleiben.
  7. Machen Sie sich bewusst, dass aktives Management keine Versicherung gegen Verluste darstellt, sondern im Gegenteil zusätzliche Risiken auslöst. So sind auch Fondsmanager eben nicht „die Erlöser“, sondern auch nur von Emotionen und Sachzwängen getriebene Menschen. Letztlich tragen Sie und ich als Endverbraucher stets das Risiko – und können dies nicht an Dritte weitergeben. Wer dies verstanden hat, wird sich fragen, warum er dann einen erheblichen Teil der uns vom Markt überlassenen Risikoprämie – also Rendite – für überhöhte Kosten hergeben sollte. Wie immer gilt: Seien Sie kein LeO!

 

Damit also mein Plädoyer für ein unaufgeregtes, ruhiges, weitsichtiges Anlegen als Gegenmittel zur Werbung der aktiven Fonds – die aus Eigennutz Ihre Ängste schüren.

Bitte empfehlen Sie den Blogartikel weiter.

Herzliche Grüße
Hartmut Walz
Sei kein LeO!

 

Erschienen am 24. August 2018.

Der Hartmut Walz Finanzblog ist unabhängig, kosten- und werbefrei. Ich erhalte für Links und Empfehlungen keinerlei Honorar, Kick-back, Beteiligung o. ä.

 

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4 Kommentare zu “Auch nach dem Urlaub gilt: Immer schön passiv bleiben

  1. Uwe Gesink

    Hallo Lieber Herr Walz,

    hoffe Ihnen und Ihrer Frau geht es gut und Sie sind gesund und munter.
    Wieder sehr interessant und authentisch, Ihr Finanzblog.

    Herzliche Grüße aus Viernheim
    Aneta und Uwe Gesink

    Antworten
    1. Walz Artikelautor

      Lieber Herr Gesink, herzlichen Dank für Ihr liebes Signal. Gesund und munter, jawoll 😉
      Herzliche Grüße, Hartmut Walz – Sei kein LeO!

      Antworten

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