GASTBEITRAG MATTHIAS KRAPP, DINKLAGE
Die Kunst, loszulassen

Für die meisten von uns sind im Beruf intensive Arbeit und eine stete Überprüfung der Ergebnisse unerlässlich. Bei der Geldanlage wir dieser Ansatz jedoch auf den Kopf gestellt.

Hier gelten: Gelassenheit und Ruhe bewahren. Die chinesische Philosophie des Taoismus hat ein Wort dafür: „wu wei“ – wörtlich: „Nichts-Tun“.

 

Mit anderen Worten: Je geschäftiger wir uns um langfristige Investments kümmern und je mehr wir an ihnen „herumdoktern“, umso seltener werden wir gute Resultate erhalten.

Das soll nicht heißen, dass wir uns überhaupt nicht kümmern sollten.

Aber es bedeutet, dass die Kultur der „Geschäftigkeit“ und des Rendite-Jagens, die von vielen Vertretern der Finanzdienstleistungsindustrie und ihrer Medien gerne vertreten wird, sich gegen Ihre Interessen richten kann.

Investieren und akzeptable Renditen zu erzielen ist eines der Gebiete, zu dem dauernde Aktivität einfach nicht passt.

Denken Sie nur an jemanden, der ständig sein Portfolio überwacht, die Finanzsendungen im Fernsehen verfolgt und Aktientipps im Internet oder TV sucht.

Wie die alten Meister

Im Taoismus wird dem Schüler beigebracht, Faktoren, die er nicht beeinflussen kann, zu ignorieren und sich stattdessen dem Fluss der Dinge zu überlassen.

Es ist, als ob man einen Baum pflanzt. Man sucht sich ein sonniges Plätzchen mit gutem Boden und Wasser, lässt den Baum in Ruhe wachsen und schneidet ihn gelegentlich zurück.

 

 

Aber nicht nur die chinesische Philosophie warnt uns vor „Geschäftigkeit“. Die Finanzwissenschaft und unsere Erfahrungen im Finanzbereich zeigen, dass wir uns bei Investments lieber um Bereiche kümmern sollten, in denen wir etwas bewegen können. Und uns nicht um Bereiche sorgen, die wir nicht unter Kontrolle haben.

So können wir zum Beispiel weder Marktbewegungen noch Nachrichten beeinflussen.

Was ich beeinflussen kann

Aber jeder von uns ist in der Lage, sein Risikoverhalten zu kontrollieren und seine maximale Risikobereitschaft (und vor allem aber Risikotragfähigkeit) zu ergründen.

Wir können Risiken über unterschiedliche Anlagevarianten diversifizieren. Wir können ein Wort bei den anfallenden Gebühren mitreden. Wir können Transaktionskosten beeinflussen und wir können Disziplin walten lassen, wenn uns Gefühlsimpulse vom rechten Weg abkommen lassen würden.

Den Sirenengesängen der Finanzindustrie widerstehen

Der Grund, dass diese Prinzipien für viele so schwer zu beherzigen sind, liegt darin, dass sich das Bild, das die Finanzmedien propagieren, hauptsächlich am Kurzfristigen, an der jüngsten Vergangenheit, am Flüchtigen, einem verengten Fokus und an der schnellen Lösung orientiert.

Man macht uns glauben, dass wir bessere Resultate erzielen, wenn wir uns stärker an äußeren Einflüssen orientieren, uns von mitunter reißerischen Nachrichten beeinflussen lassen oder auf Prognosen von „Experten“ vertrauen (obwohl diese gar nicht möglich sind).

Wir sind darauf programmiert worden, uns zum Beispiel auf glamouröse Aktien (die nächste Apple) zu konzentrieren. Anstatt auf systematische Risiken zu achten – wie den Grad, in dem sich unsere Vermögensanlagen an allgemeinen Maßen wie Risiko und Rendite ausrichten.

Immer wieder werden wir dazu gedrängt, („beraten und verkauft“), die „Maschen“ mitzumachen, welche die Finanzmarktindustrie gerne verkaufen möchte und derentwegen wir ständig an unseren Portfolios herumbasteln.

Medien und Finanzdienstleister wollen uns ständig in Bewegung halten

Eine ganze Finanzindustrie hält das quasi in „Lohn und Brot“. Leider für Sie als Anleger meist nicht zielführend. Analysen von Investorenverhalten bestätigen jedes Jahr, dass die meisten Anleger über die Zeit hinweg nur mäßige oder keine Renditen erzielen.

Der Grund für die Differenz zwischen möglichen Renditen und dem, was Investoren tatsächlich erzielen, liegt im individuellen Verhalten des Investors – darin, dass er

  • ungenügend diversifiziert,
  • kurzfristigen Renditen nachjagt,
  • schlechte Entscheidungen zum Timing trifft oder
  • „besser als der Markt“ sein möchte.

 

Auch die Annahme, bisherige Ergebnisse in der Vergangenheit seien ein guter Hinweis auf zukünftige Ergebnisse, ist ein Irrglaube.

Das Geld fließt dann in Investments, die gut gelaufen sind, anstatt in solche, die gut laufen werden. Das Resultat ist, dass die Renditen für Investoren deutlich unter deren Erwartungen liegen.

Daher gilt:

Errichten Sie ein möglichst breit gestreutes Portfolio, das nach Ihren individuellen Bedürfnissen ausbalanciert ist – und nicht nach kurzfristigen Marktereignissen. Achten Sie auf niedrige Gebühren und Transaktionskosten. Und bewahren Sie Disziplin – gegebenenfalls mit einem unabhängigen, guten Vermögensberater an Ihrer Seite.

Mit unserem wissenschaftlich basierten Ansatz „tanzen“ wir aus der Reihe des „geschäftigen“ Investierens. Eine uralte chinesische Weisheit bestätigt: „Durch das Loslassen wird alles erreicht werden. Die Welt wird von denen gewonnen, die loslassen. Je mehr du dich aber bemühst, umso weniger kannst du die Welt gewinnen.“

 

ABATUS VermögensManagement GmbH & Co. KG

Erschienen am 09. November 2018.

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2 Kommentare zu “Die Kunst, loszulassen

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