Wer ist Freaky Fly?

Prof. Dr. Hartmut Walz nutzt in seinen Impulsvorträgen jede Menge Bilder, Metaphern
und Geschichten. Gern lässt er hierbei eine clevere kleine Fliege „zu Wort kommen“,
seine Freaky Fly. Eine seiner liebsten Geschichten ist die Fliege und das Fliegenglas.

Freaky Fly im Fliegenglas
Eine Problemlösung beginnt mit der Lösung eines Problems

Was ist das, ein Fliegenglas?

Was ist das, ein Fliegenglas? Das Fliegenglas ist eine oben verschlossene bauchige Glaskaraffe und hat einen nach innen gestülpten Boden mit einer Öffnung unten in der Mitte (siehe Abbildung). In den Innenrand kann eine Lockflüssigkeit z. B. Essigwasser, Fruchtsaft gefüllt werden.

Fliegen und Wespen werden durch den Duft angelockt und gelangen durch das Loch im Boden in das Glas. Sie finden jedoch nicht mehr den Weg hinaus, da sie genetisch so „programmiert“ sind, dass sie stets zum Licht hin und nach außen flüchten wollen. Immer wieder und wieder suchen sie vergeblich die Glaswand des Fliegenglases nach einer Lücke ab. Die einzige Öffnung befindet sich jedoch unten in der Mitte des Flie genglases. Wenn nicht ein gnädiger Mensch die Insekten aus dem Glas schüttelte, würden die Insekten in der Lockflüssigkeit ertrinken.

Einfach nur zum Licht – so geht das nicht.

Die Konstruktion des Fliegenglases wird jedoch nur für diejenigen Insekten zur tödlichen Falle, deren Vorgehen darin besteht, die Öffnung des Glases (= Problemlösung) ausschließlich an der Glaswand (in Richtung Licht) zu suchen. So laufen sie stets im Kreis, ohne jemals an der Öffnung im Boden vorbei zu kommen. Sie suchen die Lösung also in einem Bereich, in dem sie nicht ist. Und umgekehrt: Dort wo die Öffnung tatsächlich ist, da suchen diese Insekten sie nicht.

Wie denn dann?

Es gibt einige wenig Fliegen- und viele Käferarten, die sich nicht ausschließlich am Licht orientieren und daher das Fliegenglas problemlos durch das Loch in der Mitte wieder verlassen. Das ist der Beweis dafür, dass das Fliegenglas selbst nicht das „Problem“ darstellt!

Das Fliegenglas ist eine gute Metapher.

Das Fliegenglas ist eine gute Metapher1) für menschliches Problemlösungsverhalten. Während wir nämlich viele Schwierigkeiten bereits mit dem ersten Anlauf „knacken“, bleiben einige hartnäckige Probleme übrig, bei denen wir offenbar die Lösung gerade am falschen Punkt suchen.

Humorvoll gesagt: Nicht das Problem allein ist das Problem, sondern die (offenbar unpassende) Problemlösungsstrategie. Bei dauerhaften Problemen trägt unsere eigene (falsche) Lösungsstrategie zum Scheitern bei.

Kurzum: Die (gescheiterte) Problemlösung ist Teil des Problems.

Freaky Fly im Fliegenglas

 

 

 

 

 

 

 

Freaky Fly

 

 

 

 

Freaky Fly Daumen hoch

1) Diese Metapher geht auf Ludwig Wittgenstein (1889-1951) zurück. Die Erkenntnis,
dass die gescheiterte Problemlösung ein Teil des Problems ist, wurde insbesondere
von Paul Watzlawick (1921-2007) publiziert.