GESUCHT: MEIN HONORARBERATER
Wie finde ich meinen Anwalt in finanziellen Fragen?

Wer, aus gutem Grund, nicht allein durchs Dickicht der Geldanlage und finanziellen Vorsorge schreiten möchte, fragt sich: Wie finde ich einen seriösen Honorarberater? Woran erkenne ich die Fairen und Aufrichtigen? Wie trenne …

… ich die Spreu vom Weizen? Solche Fragen erreichen mich nahezu täglich. Eines vorab: Einfach ist es nicht. Aber auch nicht unmöglich. Und das Gute daran: Sie müssen „Ihren Honorarberater“ ja nicht gleich heiraten. Kompetenz, Offenheit, Ehrlichkeit und Vertrauen reichen für ein erfolgreiches Zusammengehen. Was übrigens auch für „Ihre Honorarberaterin“ gilt.

 

Warum Honorarberatung?

Bitten wir Dritte, uns in Geld- und Finanzfragen zu helfen, haben diese meist (auch) eigene Interessen, Motive und Ziele. Aufmerksame Leser des Kapitels B.4 meines Buches „Einfach genial entscheiden in Geld- und Finanzfragen“ kennen das Agency-Problem. So möchte und muss ein Finanzberater auch Geld verdienen und seine Familie ernähren. Das Problem verschärft sich jedoch zu Ihren Ungunsten, wenn der Dritte von Anreizen (Provision, Quervergütung, Prämie, Entlohnung) getrieben ist, die Ihren Zielen zuwiderlaufen.

Die Fehlanreize in der traditionellen, provisionsgetriebenen Finanzberatung liegen auf der Hand. Der Finanzberater kann Ihnen zu provisionsintensiven Produkten raten – für ihn eine tolle Vergütung, für Sie hingegen versteckte Kosten, die Ihre Rendite mindern.

Oder der Finanzberater verkauft Ihnen größere Vertragsvolumina, als Sie benötigen – für ihn mehr Umsatz, also mehr Vergütung, für Sie hingegen eine Überversorgung mit unnötigen Kosten.

Oder der Finanzberater rät Ihnen zu häufigem Umschichten – für ihn entstehen durch Kauf- und Verkauf Provisionen, also mehr Vergütung, für Sie hingegen… na, Sie wissen schon… Hin und her, Taschen leer!

 

 

 

 

 

 

 

Honorarberatung

Bei der Honorarberatung dagegen erfolgt die Vergütung des Beraters ausschließlich und direkt durch den Kunden. Die Beratung findet folglich nicht provisionsgetrieben statt, sondern hiervon unabhängig – ausgerichtet allein an Interesse und Bedürfnis des Kunden. Die Bezahlung wiederum erfolgt unabhängig vom Abschluss eines Produktes, allein für die Beratungsleistung.

Selbstredend ist also Honorarberatung nicht gratis. Aber vergleichsweise einem Rechtsanwalt, Steuerberater oder Architekten erhält der Honorarberater seine Vergütung direkt von seinem Kunden. Im Unterschied zu versteckten Provisionen ist diese Vergütung zwischen den Parteien (Kunde und Berater) offen vereinbart und damit transparent.

 

Nun sind Honorarberater sicher keineswegs „Heilige“. Schließlich müssen auch sie Geld verdienen und ihre Familien ernähren. Jedoch fallen schon mal die oben beschriebenen Fehlanreize weg, wenn die Vergütung eben nicht durch Abschlussprovisionen u. ä. getrieben ist.

Wie können Sie nun die Fairen und Aufrichtigen finden – und erkennen den Wolf im Schafspelz?

 

 

 

 

 

 

Es gibt leider kein einheitliches Berufsbild des Honorarberaters.

Die Begriffe „Honorarberatung“ oder „Honorarberater“ sind gesetzlich nicht festgelegt.

Es gibt mittlerweile eine Vielzahl gesetzlicher Bezeichnungen und Vorgaben für verschiedene Berater und Vermittler – jeweils mit einzelnen Zulassungen, Aufsichten und Registern. Vor allem wird hier nach Branchen unterschieden, in denen sie tätig sind. Ganz grob gesagt sind das:

  • Wertpapier und Geldanlage
  • Versicherungen, einschl. Altersvorsorge
  • Immobilienkredit- und Finanzierungsgeschäfte

Zudem ist durch die Umsetzung europarechtlicher Vorgaben (MiFID II, IDD) einiges im Fluss. Die Berater und Vermittler sowie deren Verbände und Zusammenschlüsse beschäftigt das sehr. Die Fachzeitschriften sind voll davon.

 

Doch was können Sie als Kunde und Verbraucher nun tun?

Da Sie Fachkompetenz in Ihrem Bereich haben (und nicht im Paragrafendickicht der Finanzdienstleistungsbranche), möchte ich Ihnen eine brauchbare Lösung an die Hand geben.

Dafür habe ich mit meinem Wissen, meiner Erfahrung und ja, mit meinem vielstündigen Studium von Gesetzen, Verordnungen und Richtlinien sowie nach vielen Gesprächen eine Richtschnur entwickelt, die Ihnen helfen soll.

Dabei versuche ich auch, die Bestimmungen und Leitlinien von verschiedenen Verbänden und Zusammenschlüssen von Finanzdienstleistern aufzunehmen*. Diese gehen nicht nur auf das Vergütungsmodell (grob gesagt, Honorar statt Provision), sondern auch auf die Beratungsqualität ein.

 

Wann ist ein Honorarberater ein guter Honorarberater?
10-Punkte-Richtschnur

  1. Finanzdienstleistung (Beratungs-, Vermittlungsleistung) erfolgt ausschließlich für den Kunden, ausschließlich an Bedarf und Interesse des Kunden orientiert.
  2. Strikte Unabhängigkeit von Zuwendungen und Abhängigkeiten von Dritten (insbesondere Produktgebern).
  3. Keine kostenlose Beratung, sondern Vergütung für konkrete Leistung.
  4. Proaktive Offenlegung und Transparenz von Leistung und Gegenleistung. Soweit es keine Alternative zu Provisionsverträgen gibt (z. B. derzeit noch im Sachversicherungsbereich), Weitergabe sämtlicher Zuwendungen Dritter an den Kunden.
  5. Ergebnisoffene, neutrale, unabhängige Beratung.
  6. Marktumfassendes Angebotsspektrum (breites Netzwerk an Kooperationspartnern).
  7. Umfassende, übergreifende Beratung im individuellen Lebenskontext des Kunden.
  8. Fachlich kompetente, qualitätvolle Beratung, mit hohem Marktüberblick und tiefergehenden Methoden der Finanzmathematik (Nutzung geeigneter Software).
  9. Hohe persönliche, fachliche, soziale Kompetenz des Honorarberaters.
  10. Staatliche Zulassung und Aufsicht (IHK bzw. BaFin).

 

Darüber hinaus gibt es noch weitere vertrauensbildende Maßnahmen, wie Zertifizierungen oder Qualifikationen. Ich verzichte hier bewusst darauf, diese zu bewerten.

 

Wenn Sie bei den oben genannten zehn Punkten

  • offene, transparente und überzeugende Antworten und Nachweise von Ihrem Honorarberater erhalten (hard facts) und
  • gleichzeitig ein Gefühl von Vertrauen, Verlässlichkeit und Glaubwürdigkeit Ihrem Honorarberater gegenüber haben (soft facts),

dann ist Ihr Honorarberater der Richtige.

Dann, und nur dann, lassen Sie sich von ihm unterstützen. Ganz so, wie von Ihrem unabhängigen und nur Ihnen gegenüber verpflichteten Anwalt, Steuerberater oder Architekten. Und bleiben trotzdem ein informierter, mitdenkender, mündiger Kunde.

 

Ich bin zuversichtlich, dass Sie auf dieser Basis „Ihren Honorarberater“ oder „Ihre Honorarberaterin“ finden.

Über Rückmeldungen zu Ihren persönlichen Erfahrungen und Ergänzungen der obigen 10-Punkte-Richtschnur freue ich mich. Lassen Sie uns gemeinsam auf der Lernkurve voranschreiten!

Herzliche Grüße
Hartmut Walz
Sei kein LeO!

 

* Recherche betrieb ich u. a. in Teicher, R.: Honorarberatung aus Sicht von Kunden, Beratern und Produktgebern, Karlsruhe 2017, in der Zeitschrift Der Honorarberater (Leitlinien für mehr Qualität in der Finanzberatung), beim Berufsverband Deutscher Honorarberater (Kodex der Honorarberatung), beim Petersmann Institut für den unabhängigen Finanzberater GmbH (Ehrenkodex, Regelwerk über Wohlverhalten)

 

Erschienen am 16. Februar 2018.

 

Nur zur Abschreckung – so sehen unsere Regierenden Verbraucherschutz. Transparenz geht anders! Oder?

Ein (ganz) kleiner Überblick der aktuellen Gesetzeslage – Stand März 2018

 

Unabhängiger Honorar-Anlageberater (§ 94 WpHG*)

Bei der Unabhängigen Honorar-Anlageberatung sind nicht-monetäre Zuwendungen Dritter an den Honorarberater nicht zulässig. Monetäre Zuwendungen sind nur unter engen Voraussetzungen erlaubt und müssen an den Kunden ausgekehrt werden. Das sind also ganz klare Vorgaben für eine strikte Unabhängigkeit. Darüber hinaus sieht das WpHG und weitere Gesetze und Verordnungen strenge Vorgaben für die Unabhängige Honorar-Anlageberatung vor. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) führt auf ihrer Internetseite ein öffentliches Register Unabhängiger Honorar-Anlageberater (derzeit sind es aber noch immer erst 19 Unternehmen):

https://portal.mvp.bafin.de/database/HABInfo/

 

Honorar-Finanzanlagenberater (§ 34h GewO**)

Hier gibt es derzeit deutschlandweit auch nur 161, weil auch deren Vorgaben streng sind: Sie dürfen Zuwendungen eines Dritten nicht annehmen, es sei denn, die empfohlene Finanzanlage oder eine in gleicher Weise geeignete Finanzanlage ist ohne Zuwendung nicht erhältlich. Zuwendungen sind in diesem Fall unverzüglich nach Erhalt und ungemindert an den Kunden auszukehren. Sie müssen ihrer Empfehlung eine hinreichende Anzahl von auf dem Markt angebotenen Finanzanlagen zu Grunde legen, die nach Art und Anbieter hinreichend gestreut und nicht auf Anbieter beschränkt sind.

 

Finanzanlagenvermittler (§ 34f GewO)

Hier ist die Auswahl zwar größer (derzeit deutschlandweit über 37.000), aber es nimmt auch die Unsicherheit bzgl. deren Unabhängigkeit zu. Hier bestehen keine Vorgaben bzgl. Zuwendungen. Lediglich Maßgaben zu Zuverlässigkeit, geordneten Vermögensverhältnissen, Berufshaftpflichtversicherung, Sachkunde u. ä.

 

Weiterhin gibt es noch rund 50.000 eingetragene Immobiliardarlehensvermittler (§ 34 i GewO) sowie rund 220.000 eingetragene Versicherungsvermittler und -berater (§ 34d).

Das Online-Register der DIHK mit den eingetragenen Versicherungsvermittlern, Finanzanlagenvermittlern, Honorar-Finanzanlagenberatern und Immobiliardarlehensvermittlern:

https://www.dihk.de/themenfelder/recht-steuern/oeffentliches-wirtschaftsrecht/versicherungsvermittlung-anlageberatung/zahlen-und-fakten

 

* WpHG – Wertpapierhandelsgesetz
** GewO – Gewerbeordnung

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