GOLD GLÄNZT
Physisches Gold als Inflations- und Krisenschutz? – Teil 2

Wo Licht und Glanz ist, ist auch Schatten? Im 2. Teil des Gold-Beitrages beleuchte ich die Gründe für die z. T. extrem kontroversen Empfehlungen rund um physischen Goldbesitz.

Im Teil 1 des Blogbeitrages über die Vorteilhaftigkeit von physischem Gold als Inflations- und Krisenschutz haben Sie die Abgrenzung zwischen physischen Goldanlagen einerseits und virtuellen Goldanlagen (sowie Zwischenformen) andererseits erfahren. Auch haben Sie die wesentlichen Motive für physischen Goldbesitz kennen gelernt. Und dass es trotzdem äußerst unterschiedliche Meinungen zu einer Anlage in physisches Gold gibt. Warum gibt es auch ablehnende Meinungen? Was sind die Gründe der Contra-Argumente?

Nochmal zur Erinnerung der Überblick:

Die Gründe für extrem kontroverse Empfehlungen zu physischem Gold

  1. Eigeninteresse von Goldhändlern einerseits und Banken- und Sparkassen andererseits
  2. Unterschiedliche Währungsbasen als Bewertungsgrundlage
  3. Mangelnde Berücksichtigung von Inflation, d. h. Orientierung an nominellen anstatt realen Größen
  4. Unterschiedliche Ausgangszeitpunkte und unterschiedliche Bezugszeiträume

Sehen wir uns die Gründe im Einzelnen genauer an:

 

     1.  Eigeninteresse der unterschiedlichen Beteiligten

Ganz nach dem Motto. „Wes Brot ich ess, des Lied ich sing“, kann man die widersprüchlichen Empfehlungen Pro und Contra physisches Gold damit erklären, welche Ertragspotentiale die verschiedenen Finanzdienstleister aus den jeweiligen Anlagevehikeln haben.

Während die Goldhändler (z. B. Degussa, pro aurum, Ophirum und viele mehr) ein klares Interesse daran haben, diese Anlageklasse zu promoten, sieht es bei der erheblich größeren Gruppe anderer Finanzdienstleister (Banken und Sparkassen, Versicherungsunternehmen sowie sonstige Finanzdienstleister) regelmäßig umgekehrt aus.

Selbst bei den Banken und Sparkassen, die physische Edelmetalle verkaufen, besteht ein massiver Anreiz dahingehend, dem Kunden vom physischen Kauf abzuraten. Dies liegt daran, dass die Institute an anderen Anlagevehikeln (z. B. Zertifikaten und aktiven Fonds) neben vergleichbaren Einmalerträgen noch wiederkehrende zusätzliche Erträge erzielen. Diese liegen im besten (aus Bankensicht) Fall um oder über 2% p. a.  Völlig klar, dass bei diesem Vergleich von der Anlage in physisches Gold schon allein aus Eigeninteresse des Finanzdienstleisters eher abgeraten wird.

 

     2.   Unterschiedliche Währungsbasen als Bewertungsgrundlage

Gold wird an den Weltmärkten traditionell in US-$ notiert. Und wenn Sie nicht besonders aufpassen und z. B. einfach nur schnell den Goldpreis oder einen Goldchart „googeln“, so werden Sie wahrscheinlich die Notiz oder „Fieberkurve“ in US-$ erhalten.

Hingegen ist wahrscheinlich für die überwiegende Mehrzahl der BlogleserInnen eher der Goldpreis in Euro relevant, der jedoch meist nur angegeben wird, wenn man explizit hiernach sucht bzw. fragt.

Der Unterschied in der Wertentwicklung von Gold zwischen den beiden Währungsbasen ist oft erheblich. So errechnet die FAZ per Anfang 2018 gegenüber Anfang 2017 eine Kurssteigerung des gelben Metalls auf US-$-Basis von + 24%, jedoch auf Euro-Basis von lediglich +13%. Zwischen Anfang 2000 und Anfang 2018 legte Gold auf US-$-Basis sogar fulminante + 358% an Wert zu. In Euro gerechnet waren es dagegen + 285% (auch nicht schlecht).

Betrachtet man diese Währungseffekte langfristig, so relativieren sich die spektakulären Performanceunterschiede. Dies muss ganz zwangsläufig so sein, so lange nicht eine Währung jahre- und jahrzehntelang auf dem „absteigenden Ast“ ist. Beispielsweise ergibt sich die Überlegenheit der Goldpreisentwicklung in Dollar (gelb) gegenüber derjenigen in Euro (blau) in der Zeit ab ca. 2003 einfach dadurch, dass der Euro in dieser Phase gegenüber dem Dollar stärker wurde. Es ist auch erkennbar, dass sich die Schere in den letzten Jahren wieder tendenziell schloss und sich erst wieder ab 2016 öffnete (Trump-Effekt).

Kurzum: Der Maßstabeffekt ist eher positiv als negativ zu sehen. Wertet die heimische Währung auf, so steigt die Kaufkraft gegenüber anderen Währungen (was mit einer Verbilligung des Goldpreises einhergeht). Und ist die heimische Währung schwach, so stehen die Chancen gut, dass ein höherer Goldpreis den Anleger hierfür entschädigt.

Jedem cleveren Anleger ist jedoch zu raten, entweder die Goldpreisentwicklung in US-Dollar und seiner Heimatwährung parallel zu beobachten. Oder, wenn er subjektiv sicher ist, dass er seine Reserven später in Heimatwährung aufbrauchen möchte, die Dollar-Notiz zu ignorieren und die Wertentwicklung auf Basis der eigenen Heimatwährung zu verfolgen.

 

     3.  Mangelnde Berücksichtigung von Inflation,
          d. h. Orientierung an nominellen anstatt realen Größen
 

Es ist schon bemerkenswert, dass Promotoren von Goldanlagen bei ihren Aussagen zu Gold von einer „Goldrendite“ sprechen, die die allgemeine Preissteigerungsrate enthält. Korrekt ist hingegen, bei Goldanlagen – ganz wie bei allen anderen Anlageklassen – stets in realen anstatt nominellen Größen zu denken. Also sollte man immer die nominelle Rendite um die Inflationsrate reduzieren. Dies nimmt der Goldanlage zwar ein wenig von ihrem Glanz, steigert aber ganz erheblich den Realitätsbezug.

Die nachstehende Abbildung stellt die Entwicklung des nominellen und realen Goldpreises gegenüber. Bewertungsbasis ist nunmehr der Euro.

Zur Interpretation der Abbildung ist zu sagen, dass in der wirklich langfristigen Sicht Gold seinem Ruf des Werterhalts mehr als gerecht geworden ist. Mehr noch – der reale Wert von Gold ist langfristig sogar gestiegen, d. h. der Goldpreis kletterte im Durchschnitt stärker als die Inflationsrate. Ernüchternd wirkt jedoch die offensichtliche Erkenntnis, dass die Phasen ansteigender Goldpreise meist kurz und heftig waren, es jedoch dazwischen lange Phasen der Stagnation und sogar des (meist leichten) Preisrückgangs gab. Von einer Garantie der kurzfristigen Kompensation des Inflationsschadens durch Goldbesitz kann also nicht die Rede sein. Diese Erkenntnis führt zum letzten Grund für die extrem unterschiedliche Bewertung von physischem Gold als Anlage.

 

     4.  Unterschiedliche Ausgangszeitpunkte und unterschiedliche Bezugszeiträume

Selbst wenn man ausschließlich den Euro als Bewertungsgrundlage heranzieht und in realen Größen (also nach Abzug der Inflationsrate) rechnet, lassen sich extrem gegensätzliche Beispiele für den Erfolg oder Misserfolg einer Goldanlage konstruieren.

Wer von einer Goldanlage abraten möchte (und das sind aufgrund des unter (1) genannten Eigeninteresses sehr viele), wird zum einen den Anfangszeitpunkt der Betrachtung so wählen, dass der Goldpreis bereits relativ hoch steht und zum anderen einen Zeitraum, in dem der Goldpreis sich seitwärts oder nach unten entwickelt hat.

Und wer zu dem Ergebnis kommen möchte, dass sich Goldanlagen lohnen, wird exakt gegenteilig vorgehen (also niedriger Einstiegspreis und Phase steigender Goldnotizen).

Die nachfolgende Abbildung zeigt fünf stark divergierende Beispiele (wiederum auf Basis des Euro als Bezugswährung).

 

Kurzum: Es wird deutlich, dass Einzelbeispiele wenig wert sind und man durch interessengesteuerte Wahl von Zeitpunkt und Zeitraum der Betrachtung immer das Ergebnis erzeugen kann, das der angestrebten Argumentationsrichtung dient. Bitte hinterfragen Sie mit diesem Wissen also die zahlreichen, meist reißerischen, Kauf- und Warnhinweise gegenüber Gold, die Sie schlicht und ergreifend zu unnötigen Transaktionen verleiten sollen. Das ist Investment-Pornographie in Reinform!

Die Argumentation wird etwas seriöser (und der Anfangspunkt der Betrachtung relativ unwichtiger), je länger der Betrachtungszeitraum ist.

Jedoch kommen dann neue Probleme seitens der Datenqualität hinzu, so z. B. bei einer Analyse auf Euro-Basis, die schlichte Tatsache, dass es diesen erst seit 2001 gibt und ältere Daten aus Sicht eines deutschen Anlegers nur durch die Anwendung von DM-Inflationsraten errechenbar sind. Auch der obigen Darstellung liegt eine solche Rückrechnung zugrunde.

Wenn man dies akzeptiert, so ergibt sich für Gold bei dem maximal in dieser Untersuchung berechneten Zeitraum von Ende 1971 bis Ende 2017 beispielsweise eine durchschnittliche dynamische Gold-Bruttorendite von 6,03% p. a., die man um einen durchschnittlichen Inflationsschaden von -2,63% p. a. bereinigen muss. Somit bleibt eine reale jährliche Anlagerendite von 3,4% p. a., was ein ordentliches Ergebnis ist, jedoch nicht darüber hinwegtäuschen darf, dass es innerhalb dieses Zeitraums von 46 Jahren eben auch mehrere Durststrecken gegeben hat.

Zur Vollständigkeit: Die gleichen Zahlen auf US-$-Basis lauten: 7,65% jährliche Bruttorendite, verrechnet mit -3,82% durchschnittlicher Inflation p. a., folglich 3,83% jährliche Nettorendite.

 

Und was bedeutet das nun konkret für Sie?

  1. Sie haben verstanden, dass der „Glaubenskrieg“ pro versus contra Gold sehr stark durch die Eigeninteressen von Finanzdienstleistungsinstitutionen bzw. ihrer Berater gelenkt wird. Und Sie haben weiter verstanden, dass es nur wenige Marktteilnehmer gibt, die an physischem Gold- oder Edelmetallverkauf verdienen. Jedoch erheblich mehr Marktteilnehmer, die entweder nicht in diesem Sektor tätig sind oder in anderen Anlageformen erheblich höhere Verdienstpotentiale sehen.
  2. Sie haben weiterhin verstanden, dass zu einer realistischen Bewertung von Goldinvestments stets eine Orientierung an realen anstelle von nominellen Größen nötig ist.
  3. Und schließlich, dass es einen erheblichen Unterschied machen kann, je nachdem welche Bezugswährung man als Maßstab für die Wertentwicklung von Gold wählt. Wenn Sie nicht US-amerikanischer Bürger sind oder für Ihren Ruhestand in die USA ziehen wollen, ist wahrscheinlich die Berechnung der Gold-Performance auf Ihre Heimatwährung (also meist Euro) die entscheidungsrelevante Sichtweise.
  4. Die Betrachtung unterschiedlicher Anlagezeitpunkte und -zeiträume zeigt, wie stark der Goldpreis (egal ob in US-$ oder in EUR gemessen) schwankt. Betrachtet man die Währung als Maß aller Dinge, so ist der Goldpreis also volatil. Geht man jedoch von Gold als Urgeld aus (6.000 Jahre Geschichte, davon 3.000 Jahre Goldwährung), kann man umgekehrt an der Stabilität unserer Fiatwährungen (ver)zweifeln.
  5. Die Langfristbetrachtung zeigt weiter, dass Gold sowohl kurzfristig als auch über durchaus mehrere Jahre hinweg nicht zwangsläufig die Inflationsrate ausgleicht. Im Extremfall hat der Goldpreis bis zu zehn Jahre den Inflationsschaden nicht kompensiert. Nur um dann in kürzester Zeit durch enorme Steigerungsraten den Verlust in relativ kurzer Zeit wieder mehr als auszugleichen.
  6. Auch als sicheres Gegengewicht bei Krisen hat Gold zwar manchmal (Ölkrise, New-Economy-Blase, globale Finanzkrise von 2007-2009), aber nicht immer funktioniert. Beispielsweise ist der Goldpreis während des Golfkrieges eher leicht gefallen, anstatt kompensierend zu steigen.
  7. Aus den Punkten 4, 5 und 6 folgt zusammenfassend, dass die Erwartungen an Gold als kurz- und mittelfristigen Inflationsschutz bzw. als Krisenwährung nicht überzogen hoch sein sollten.
  8. Und doch rate ich Ihnen zu einem gewissen Goldanteil in Ihrem Gesamtportfolio, da dieser – zwar nicht immer, aber überwiegend – ausgleichend (diversifizierend) wirkt.
  9. Für privaten Goldbesitz spricht daneben noch seine Funktion als „Ur-Geld“ und faktische Ersatzwährung in Extremsituationen, welches außerhalb jeglicher Hoheit von Regierungen oder Zentralbanken steht.
  10. Schließlich wären Sie sicher enttäuscht von mir, wenn ich in diesem Zusammenhang nicht auf die Lindy-Regel verweisen würde. Eine Anlageklasse, die nun schon seit über 6.000 Jahren erfolgreich glänzt, noch nie pleite gegangen ist und noch immer „lebt“, kann – bei langfristiger Sichtweise – nicht schlecht sein.

Hier erkläre ich, kurz & knackig, die Lindy-Regel:

Damit endet meine Betrachtung und Bewertung von physischem Gold als Anlageklasse. Ich denke, dass unsere Augen auf alle Fälle glänzen sollten, wenn wir daran denken.

Und denken Sie nicht nur, sondern legen Sie tatsächlich physisches Gold für sich zur Seite.

Vorher bitte noch diesen Blogbeitrag weiter empfehlen.

Herzliche Grüße
Hartmut Walz
Sei kein LeO!

  

Erschienen am 06. April 2018.

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8 Kommentare zu “Gold glänzt – Physisches Gold als Inflations- und Krisenschutz? – Teil 2

  1. S. K.

    Lieber Herr Walz, immer wieder klasse, wie Sie einen vom Kopf auf die Füße stellen und das ganze Geplapper ordnen. Ich habe dank Ihnen meine Meinung zu Gold. Danke!! Viele Grüße S. K.

    Antworten
  2. Bernhard Lorenz

    Ein Blogbeitrag der keinen Cent kostet und zugleich Gold wert ist. Fundierte Abwägungen und damit eine prima Entscheidungsgrundlage für die persönliche Anlagestrategie.

    Antworten
    1. Walz Artikelautor

      Lieber Bernhard Lorenz, vielen Dank und alles Gute!
      Herzliche Grüße, Hartmut Walz – Sei kein LeO!

      Antworten

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