LESENSWERT:
mein subjektiver BücherRückBlick 2017

Zum Jahresausklang kommen viele Menschen wieder mehr zum Lesen, als in den fleißigen Wochen davor. Und so erhalte ich vermehrt Anfragen, die sich auf Bücher beziehen, die ich empfehlen kann.

Teilweise zu ganz konkreten und speziellen Fragestellungen und Themen. Teilweise jedoch auch grundlegender, so nach dem Motto: „Welche Bücher sind Ihnen wichtig und wertvoll?“ Und wer die Lindy-Regel verstanden hat, weiß, dass solche Bücher nicht immer im Jahr 2017 erschienen sein müssen.

Nachstehend einige wenige Hinweise auf Bücher, die ich 2017 (wieder) zur Hand nahm und die meine eigenen Gedanken geprägt haben. Und zwar weit über den schnöden Mammon hinaus.

Links lege ich direkt zu den Verlagen. Kick backs oder andere „Provisionen“ bekomme ich Null. Wo Sie dann ggfs. die Bücher kaufen, ist mir also egal – solange es bei Ihrem Buchhändler um die Ecke ist 😉

Hier ein Blick in mein Bücherregal:

   1.   Antifragilität  (Nassim Taleb)
Anleitung für eine Welt, die wir nicht verstehen

   2.   Die Psychologie des Überzeugens  (Robert B. Cialdini)
Wie Sie sich selbst und Ihren Mitmenschen
auf die Schliche kommen

   3.   Die große Fondslüge  (Michael Ritzau)
Falsch beraten von Finanztest, Sparkassen, Banken & Co.

   4.   Aus der Welt  (Michael Lewis)
Grenzen der Entscheidung oder Eine Freundschaft,
die unser Denken verändert hat

   5.   Konzentriert Arbeiten  (Cal Newport)
Regeln für eine Welt voller Ablenkungen

   6.   Sie wissen alles  (Yvonne Hofstetter)
Wie intelligente Maschinen in unser Leben eindringen und
warum wir für unsere Freiheit kämpfen müssen

   7.   Wunder wirken Wunder  (Eckart von Hirschhausen)
Wie Medizin und Magie uns heilen

 

Die Reihenfolge ist übrigens ganz wahllos. Hier noch ein paar Sätze zu den einzelnen Büchern:

1 – Antifragilität (Nassim Taleb)

Es ist heutzutage schon mutig, ein Buch mit 688 Seiten zu empfehlen – auch wenn es als Taschenbuch nur 12,99 Euro kostet. Ich selbst habe mir die gebundene Ausgabe für 26,99 Euro geleistet, denn dieses tolle Werk wird noch viele Jahre in meiner Bibliothek stehen – und zwar in direkter Griffweite. Der Nobelpreisträger Daniel Kahneman („Schnelles Denken, langsames Denken“) sagt über das Buch, dass es seinen Blick auf die Welt verändert habe. Dem kann ich mich nur anschließen. Von zig Inspirationen und interessanten Einsichten, die man aus dem Buch entnehmen kann (es werden naturgemäß bei jedem Leser andere sein), will ich hier nur eine knapp vorstellen: Wir wissen aus vielen Lebensbereichen, dass Belastung oder Stressoren eine nützliche Wirkung haben. Beispielsweise werden die Knochen durch Turnen und Gewichtheben widerstandskräftiger, Kinder, die im Sand spielen seltener krank. Und Menschen, die sich nackt in heißen Holzräumen von 80-100 Grad aufhalten und sich danach – ebenfalls nackt – im Schnee wälzen, sterben nicht kurz darauf am Erkältungsfieber, sondern kommen gut über den Winter. Diesen Gedanken: Stress und Belastung kann gut sein – auf die Geldanlage zu übertragen, ist eine der Leistungen von Taleb.

Und wenn viele Privatanleger das einmal verstanden haben und endlich aufhören, Vorsorgeprodukte mit teuren, aber substanzlosen Garantieversprechen zu kaufen, dann wird es nicht nur um die Anlagekultur, sondern auch die Altersversorgung der Betroffenen viel besser stehen. Ein – einfach geniales – Buch, dessen Erkenntnisgewinn weit über das Thema „Geld“ hinausgeht. Unbedingt lesenswert.

 

2 – Die Psychologie des Überzeugens (Robert Cialdini)

Robert B. Cialdini war Professor für Psychologie in den USA. Sein Bestseller übers Überzeugen ist schon einige Jahrzehnte alt. Meine englische Ausgabe „Influence – The Psychology of Persuasion“ ist von 1993. Das Original entstand gar 1984. Die aktuelle Auflage (siehe Link) ist jedoch von 2017. Dieses Buch ist also ein höchst aktueller „Klassiker“. Es zeigt die wesentlichen Mechanismen und Vorgehensweisen auf, wie Menschen ihre Mitmenschen überzeugen, beeinflussen – im Ergebnis auch manipulieren. Und wie fließend die Übergänge zwischen freundlichem Argumentieren und handfestem Manipulieren sein können. Cialdini nennt sechs “Waffen der Einflussnahme”: Reziprozität (reciprocation), Commitment und Konsistenz (commitment and consistency), Soziale Bewährtheit (social proof), Sympathie (liking), Autorität (authority) und Knappheit bzw. künstliche Verknappung (scarcity).

Der anerkannte Altmeister der Manipulation sagt, er habe das Buch auch geschrieben, damit der Verbraucher die Tricks und Kniffe von Marketing und Verkauf durchschauen könne. Mit Sicherheit werden nahezu alle Marketingfachleute und Verkäufer diese Tricks anwenden. Auch FPVs werden sie intensiv studieren. Schon alleine aus diesem Grunde sollten auch Sie diese kennen. Und in der konkreten Situation wieder erkennen. Bitte lesen!

 

3 – Die große Fondslüge (Michael Ritzau)

Als meine Frau das Buch von Michael Ritzau las, meinte sie: „Sag mal, man könnte meinen, ihr hättet voneinander abgeschrieben.“ Beim den Themen Fonds, Kosten und Prognosen bin ich mit Michael Ritzau klar auf einer Wellenlänge. Nur hat er das wichtige Thema „Investmentfonds“ erheblich tiefer recherchiert und zeigt auf, warum das verbreitete Investieren in „Topfonds“ ein sicherer Weg zum Geldverbrennen ist. Michael Ritzau hat die Welt der aktiv gemanagten Fonds für uns Privatanleger neutral und unbestechlich analysiert: die Beteiligten, deren Interessen, das Marketing, die Kosten. Er belegt seine Aussagen und Erkenntnisse minutiös und erhält durch die beiden von ihm interviewten Wirtschaftsnobelpreisträger Eugene F. Fama und William F. Sharpe volle Rückendeckung.

Und er gibt leicht verständliche und umsetzbare Tipps für bessere und erheblich kostengünstigere Anlagealternativen, die wohl jeder sucht – nachdem er „das System der großen Fondslüge“ durchschaut hat.

 

4 – Aus der Welt (Michael Lewis)

Die außerordentlich spannende und gleichzeitig erkenntnisreiche Geschichte der Freundschaft zweier berühmter Verhaltensökonomen: der beiden israelischen Psychologen Daniel Kahneman und Amos Tversky. „Sie stritten, sie kämpften, aber oft hörte man sie hinter der Tür ihres Büros laut lachen.“ Kahneman und Tversky arbeiteten jahrelang zusammen und waren doch unglaublich verschieden, bis der zu frühe Tod Amos Tverskys das ungleiche Forscherpaar auseinanderriss. Tversky ist 1996 verstorben. Daniel Kahneman erhielt 2002 den Nobelpreis für Wirtschaft – letztlich für die gemeinsame Erkenntnis: Entscheidungen werden selten logisch getroffen. 2017 erhielt nun Richard H. Thaler den Nobelpreis für Wirtschaft. Er schätzt seine Kollegen Kahnemann und Tversky sehr.

Man muss The Big Short oder Flash Boys des Autors Michael Lewis nicht mögen. Wenn man jedoch Interesse an der Verhaltensökonomie und den unzähligen Anwendungsfacetten im Lebensalltag hat, wird man „Aus der Welt“ mit Vergnügen und Gewinn lesen. Und über die an einigen Stellen weniger sympathische Erzählart des Autors hinwegsehen.

 

5 – Konzentriert Arbeiten (Cal Newport)

Durch meine Arbeit als Hochschullehrer habe ich täglichen und intensiven Kontakt mit jungen Menschen. Ich kann viele gute und sehr gute Dinge über sie sagen. Wenn ich jedoch meinen häufigsten Kritikpunkt nennen darf, dann ist es das Thema Konzentrationsvermögen und Aufmerksamkeitsspanne. Gerade die „Digital Natives“ glauben, dass sie mehrere Dinge gleichzeitig tun könnten (das funktioniert m. E. nur bei sehr einfachen Verrichtungen). Und sie stellen (zu) oft Schnelligkeit, Aktualität und Reaktionsvermögen über Konzentration, Analyse, Ausdauer und Tiefe.

Cal Newport ist (ganz wie ich) ein Anhänger des konzentrierten Arbeitens (deep work). Beim Arbeiten schwört er auf Konzentration, Aufmerksamkeit, Fokussierung, Konsequenz, Intensität, Hingabe, Tiefgang und Achtsamkeit fürs Denken. Vielleicht gibt Newport keine bahnbrechend neuen Tipps oder Regeln. Aber sein Ansatz ist in unser Welt voller Ablenkungen immer noch – oder gerade – zielführend: Wenn wir Störungen, Ablenkungen, Unterbrechungen und Oberflächlichkeit vermeiden, nutzen wir unsere Arbeitszeit effizienter und steigern die Qualität unseres Tuns. Und gewinnen mehr Zeit für alles, was uns sonst wichtig ist.

Ich finde, es lohnt sich, über eigene Wege nachzudenken, der zerstreuten Masse – zumindest für wesentliche Stunden – zu entrinnen. Und sich zu konzentrieren. Für manchen mag das eine Menge Übung bedeuten. Wie ich Newports Tipps anwende und mit meinen Emails „fertig“ werde, teste ich zum Beispiel noch. Auf alle Fälle habe ich beim Schreiben meiner Texte sowohl die Mailfunktion als auch das Telefon ausgeschaltet. Wenn ich doch nur meine Studierenden dazu motivieren könnte, dies auch für die Dauer einer Vorlesung zu tun….

 

6 – Sie wissen alles (Yvonne Hofstetter)

Die Autorin hat tiefes Wissen auf dem Gebiet von Digitalisierung, Big Data oder Künstlicher Intelligenz. Sie ist Geschäftsführerin eines Unternehmens, „das auf die intelligente Auswertung großer Datenmengen mit Optimierern und maschinellen Lernverfahren spezialisiert ist.“ Hofstetter hat mehr als nur eine Ahnung, wie Daten gesammelt und analysiert, wie Algorithmen angewendet werden. Und wie damit manipuliert wird. Wir zahlen einen hohen Preis für die Nutzung von Smartphones, vernetzten Autos, Fitnessarmändern… Wir geben unsere Unabhängigkeit preis, unsere Freiheit. Und werden vorhersehbar, manipulierbar, gar erpressbar.

Es schadet nicht, wenn wir uns all dessen zumindest bewusst sind. Wenn wir die Zusammenhänge durchschauen und eine Vorstellung entwickeln, was alles möglich sein kann. Hofstetter sagt: sein wird. Und mehr noch: bereits ist.

 

7 – Wunder wirken Wunder (Eckart von Hirschhausen)

Geld ist nicht alles und ohne Gesundheit ist alles nichts. Diese Allerweltserkenntnis ist uns bewusst. Daher ist es egal, ob wir uns super fit fühlen und das nur möglichst lange so erhalten wollen, ob wir nur minimale „Zipperlein“ oder aber ernsthafte Krankheiten spüren: Gesundheit interessiert uns alle. Daher lässt sich auch rund um Gesundheit gutes Geld machen. Sowohl verdientermaßen als auch mit völlig unnötigen oder unwirksamen (und zum Teil sogar schädlichen) Methoden, Therapien und Ansätzen.

Hirschhausen geht auf viele dieser Ansätze ein und beschreibt in seiner unnachahmlich charmanten und humorvollen Art, an welcher Stelle wir eher der Schulmedizin vertrauen sollten und wann die Alternativmedizin bedenkenswert ist. Besonders gefühl- und respektvoll geht er mit der breiten Grauzone dazwischen um, nämlich Therapien, die manchem helfen, obwohl sie wissenschaftlich nicht erwiesen sind. Ebenso klar benennt er aber Scharlatane und selbsternannte „Wunderheiler“. Ganz gemäß seines Zitates von S. 227: „Jeder hat das Recht auf eine eigene Meinung. Aber nicht auf eigene Fakten.“ Das sollte Trump einmal bedenken…

Auch hier nur eine stellvertretende Kostprobe (S 198-203): Das Thema „Akupunktur“ spaltet die Menschen in zwei Lager, nämlich solche, die an ihre Nützlichkeit glauben und solche, die vom Gegenteil überzeugt sind. Der Versuch einer wissenschaftlichen Fundierung erbrachte folgendes überraschende Ergebnis:

Gegenüber einer völlig unbehandelten Kontrollgruppe zeigten die mit Akupunktur Behandelten einen erkennbar besseren Krankheitsverlauf.

Verglich man jedoch die behandelte Gruppe mit einer Kontrollgruppe, die nur meinte, ebenfalls eine Akupunktur erhalten zu haben, so ergab sich kein signifikanter Unterschied.

Kurzum: Allein die Einbildung bzw. der Glaube, eine Akupunktur zu erhalten, erklärte den wahrgenommenen Behandlungserfolg.

Interessante und überraschende Erkenntnisse dieser Qualität hält das empfohlene Buch gleich zig-fach bereit. Auf knapp fünfhundert Seiten für unter zwanzig Euro (keine Angst – leicht zu lesen und mit vielen farbigen Bildern, Checklisten und Charts garniert) können Sie Ihre (Vor-)Urteile in Gesundheitsfragen überprüfen, eine Menge Freude und Lesespaß haben und vielleicht auch Geld für Vitamintabletten und Nahrungsergänzungsmittel sparen.

Lesen Sie dieses Buch am besten schon in gesunden Tagen – da haben Sie am meisten davon!

 

Damit wünsche ich allen meinen LeserInnen gelungene Weihnachtstage. Und neben Plätzchenduft, Kerzenlicht und Kinderlachen die ein oder andere Mußestunde zum Lesen und Insichkehren.

Haben Sie auch einen Lesetipp?

Dann schreiben Sie ihn gerne in den Kommentar – und haben Sie eine gute Zeit.

Herzliche Grüße
Hartmut Walz
Sei kein LeO!

 

 

Erschienen am 22. Dezember 2017.

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6 Kommentare zu “LESENSWERT: mein subjektiver BücherRückBlick 2017

  1. derMaik

    Lieber Herr Walz, vielen Dank für diesen persönlichen Bücherrückblick. Die Fondslüge kannte ich durch Sie schon 🙂
    Als Lesetipp nehme ich “Sie wissen alles” mit, eigentlich drücke ich mich vor diesen Themen, sie machen keine guten Gefühle. Aber über die Entwicklungen informiert zu sein, ist vielleicht nicht schön aber notwendig. Danke für den Nudge also 🙂
    Mein Tipp lautet “Was Sie da vorhaben, wäre ja eine Revolution…: Ein Streitgespräch über Wachstum, Politik und eine Ethik des Genug”. Auch so ein Thema (“ökologische Krise und die Notwendigkeit zum Umdenken “) was nicht Spaß macht, aber notwendig ist, bedacht zu werden.
    Viele gute Weihnachtsgrüße, der Maik

    Antworten
    1. Walz Artikelautor

      Lieber Maik, danke schön! Auch für das tolle Tauschgeschäft, ein Lesetipp gegen den anderen 😉
      Herzliche Weihnachtsgrüße, Hartmut Walz – Sei kein LeO!

      Antworten
  2. Sven S.

    Lieber Herr Walz,

    “Wenn ich doch nur meine Studierenden dazu motivieren könnte, dies auch für die Dauer einer Vorlesung zu tun….”, der Wink mit dem ganzen Zaun ;).
    Gerade Ihr Buchtipp Nummer 5 sprach mir, als Student, aus Seele. Die Welt ist voller Ablenkungen und die Versuchungen lauern an jeder Ecke. Wobei letzteres sich schon gar nicht mehr versteckt, sondern sich uns regelrecht aufdrückt.
    “Ja so ein Buch in der Ruhe le…, ich sollte doch jetzt eigentlich für kommende Klausuren lernen?!… grrr, ich lenke mich viel zu sehr mit diesem Blog ab! :D”

    Ich wünsche ebenso Ihnen, sowie den Lesern ein besinnliches Fest und einen Guten Rutsch ins neue Jahr.

    Liebe Grüße

    Sven Stettner

    Ps: Vielleicht wirft mir der Weihnachtsmann ja doch noch nach seinen Runden ein Buch unter die Tanne. 😉

    Antworten
    1. Walz Artikelautor

      Lieber Herr Stettner, so eine herzliche Rückmeldung, vielen Dank! Der Hartmut Walz Finanzblog ist natürlich keine Ablenkung, sondern finanzielle Grundbildung und Vertiefung 😉
      Herzliche Tannengrüße, Hartmut Walz – Sei kein LeO!

      Antworten
  3. Dominik H.

    Lieber Herr Walz,

    vielen Dank für die Zusammenstellung der Bücher. Ich werde mir das eine oder andere vormerken.

    In meinem letzten Urlaub habe ich das Buch “Geheime Goldpolitik: Warum die Zentralbanken den Goldpreis steuern“ von Dimitri Speck gelesen. Ich habe selten ein solch akribisch recherchiertes Buch gelesen und kann es uneingeschränkt weiterempfehlen. Der Autor beweist anhand von Fakten und Analysen wie und wann der Goldpreis in der Vergangenheit manipuliert wurde. Aus meiner Sicht ein strong buy um unser Geldsystem besser zu verstehen.

    Vielen Dank an der Stelle für Ihren sehr informativen Blog!

    Viele Grüße

    Dominik Heberling

    Antworten
    1. Walz Artikelautor

      Lieber Herr Heberling, herzlichen Dank! Auch für den schlauen Buchtipp – Ihren Tipps gehe ich immer gerne nach, denn es lohnt sich 😉
      Herzliche Grüße, Hartmut Walz – Sei kein LeO!

      Antworten

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