GASTBEITRAG STEFAN SERRET, WIESBADEN
Vermögensaufbau: Weibliche Intuition oder männliche Sachlichkeit?                   

 Frauen und Männer erleben, denken und investieren anders. Wer ist besser?

 

Der Kriegsgott Mars kämpft und die Liebesgöttin Venus umwirbt

Seit jeher werden die Rollen von Männern und Frauen klischeehaft beschrieben. Ein Beispiel: das Symbol für Männer (♂) leitet sich von dem Kriegsgott Mars ab. Der Kreis verbildlicht sein Schild und die Wehr­be­reit­schaft, der Speer seine Waffe und Angriffs­freude.

Ein­fach hat man es sich auch bei der Frau (♀) gemacht: Da sie pauschal zum schönen Geschlecht erklärt wurde, stellt der Kreis den Handspiegel der Lie­besgöttin Venus dar, das Kreuz ist der dazugehörige Griff.

Die beiden Symbole werden seit mehreren Jahrhunderten verwendet. Man(n) und Frau haben sich offensichtlich damit abgefunden.

Übertragen auf das Thema Finanzen könnte man die Symbolik wie folgt interpretieren: Der Mann ist aktiv in seiner Anlagepolitik und bereit Risiken einzugehen. Die Frau hingegen reagiert aus sicherer Position und nutzt nach Wunsch die ein oder andere sich bietende Anlagechance.

Kann ich an dieser Stelle den Finanzblog bereits beenden? Aus, Schluss und vorbei – alles ist gesagt!? Ganz so einfach ist es doch nicht.

 

60 Jahre Gleichberechtigung – auch bei Finanzen?

Ein Blick in die jüngere Vergangenheit zeigt, dass sich erst ab dem Inkrafttreten des sogenannten „Gesetz über die Gleichberechtigung von Mann und Frau auf dem Gebiet des bürgerlichen Rechts“ am 1.7.1958 die Frau finanziell von dem Mann emanzipieren konnte.

Erst seit dem 1. Januar 1962 konnten Frauen in der Bundesrepublik Deutschland ein eigenes Bankkonto ohne Genehmigung des Mannes eröffnen. Mit der Reform des Eherechtes gewannen die Frauen erst ab dem 1. Juli 1977 die Hoheit über ihren eigenen Lohn und ihre persönlichen Finanzen.

Vor Beginn dieser Entwicklung war der Mann in vielen Geldbeziehungen der alleinige Macher. Noch immer ist der Mann in vielen Beziehungen der „Finanzminister“ und entscheidet relativ selbstständig in vielen Geldangelegenheiten. Diese Situation in Verbindung mit offensichtlich unterschiedlichen Interessen führt oft zu Streitigkeiten. Nicht umsonst ist der Streit um Geld einer der wichtigsten Scheidungsgründe in Deutschland.

 

Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen Unterschiede

In einer Untersuchung des Lehrstuhls für Neuropsychologie der Universität Zürich wurde festgestellt, dass es wichtige Unterschiede zwischen männlichen und weiblichen Gehirnen gibt. Ein durchschnittliches männliches Gehirn hat 1,4 l Volumen, ein durchschnittliches weibliches Gehirn ein Volumen von 1,2 l.

Als Mann könnte ich jetzt anfangen zu jubeln und könnte denken: „Ich habe es doch immer gewusst!“. Wenn Sie eine Frau sind, könnten sie nun mutmaßen: „Immer diese überheblichen Männer. Es kommt ja nicht auf das Volumen an, sondern auf das, was drin ist!“. Mars und Venus halt.

Damit kommen wir zu einem weiteren Ergebnis der Studie der Universität Zürich. Die eher größeren (Männer-) Gehirne sind sowohl innerhalb der linken als auch in der rechten Gehirnhälfte sehr gut vernetzt. Zwischen beiden Gehirnhälften ist die Vernetzung weniger stark ausgeprägt.

Die eher kleineren (Frauen-) Gehirne zeichnen sich dadurch aus, dass gerade die Vernetzung zwischen beiden Gehirnhälften sehr stark ist. Interessant ist auch die Feststellung, dass überdurchschnittlich große Frauengehirne und unterdurch-schnittlich kleine Männer Gehirne ähnliche Vernetzungen aufweisen.

Bei weltweiten Gehirntests mit über 35 Millionen Teilnehmern wurde bewiesen, dass bei den meisten Frauen die rechte Gehirnhälfte (Kreativität, Intuition, Bilder) und bei den meisten Männern die linke Gehirnhälfte (Strategie, Rationalität, Logik) überwiegt. Die tendenziell bessere Vernetzung beider Gehirnhälften bei Frauen ermöglicht sowohl „linke“ als auch „rechte“ Entscheidungen.

 

Faktencheck: Männer investieren anders als Frauen – agieren aber ähnlich ahnungs- und planlos

Analysen der comdirect Bank haben in den vergangenen Jahren eine konservativere Anlagepolitik bei Frauen gezeigt. Während Männer in 2018 in ihren Depots einen Aktienanteil von ca. 21% hielten, sind Frauen mit einem Aktienanteil von 9,5% deutlich konservativer unterwegs.

Im Rahmen des JPMAM Income-Barometer 2017 wurde Männern und Frauen die Frage gestellt, wie 50.000 Euro investiert werden sollten. 49% der Befragten wollten konsumieren. Lediglich 32% haben Geldvermehrung nach Abzug der Inflation als Investitionsziel angegeben.

Die erschreckendste Erkenntnis aus diesen Zahlen ist, dass offensichtlich vielen Menschen der Unterschied zwischen Investieren und Konsumieren nicht bekannt ist. Eine Investition wird in der Absicht getätigt, Kapital zu vermehren und am Ende mehr Kapital als vorher in der Tasche zu haben. Nach dem Konsum ist das Geld weg.

In dem JPMAM Income-Barometer 2018 hatten 52% der befragten Männer und Frauen keine Idee, was sie in den nächsten zwölf Monaten mit ihren Ersparnissen anfangen sollen. In punkto Finanzwissen schnitten Frauen im Vergleich zu Männern signifikant schlechter ab.

Bei allen Unterschieden sind Frauen und Männer ähnlich ahnungs- und planlos unterwegs.

Meine praktische Erfahrung zeigt, dass selbst viele derjenigen Personen, die glauben Finanzkompetenz und finanzielle Ziele zu haben, bei der ersten konkreten Nachfrage kapitulieren und zugeben, nicht genau zu wissen, welche Finanzprodukte sie haben und welches Ziel diese haben.

 

Mars oder Venus: Wer erzielt bessere Renditen?

Die Antwort auf diese Frage ist relativ simpel und doch überraschend. Männer und Frauen erzielen trotz unterschiedlicher Denkweise und Risikofreude laut Untersuchungen und Analysen über die Zeit hinweg ähnliche Renditen.

Männer legen aktiver, langfristiger und risikofreudiger an. Somit erzielen sie in guten Zeiten höhere Renditen als Frauen. Sinken hingegen die Aktienmärkte, kommen Frauen mit ihrem passiveren, kurzfristigeren und vorsichtigen Anlegerprofil auf bessere Renditen.

Aufgrund der momentan hohen Volumina von Geldern in liquiden Anlagen und Sparformen werden oftmals, auf das gesamte Vermögen gerechnet, Renditen unterhalb der Inflationsrate erzielt. Das bedeutet einen Kaufkraftverlust.

Fehlendes Wissen und mangelnde Systematik bescheren sowohl Frauen als auch Männern unzureichende Ergebnisse: Wir „versparen“ uns.

 

„Was kann ich thun?“ spricht Zeus.

So heißt die Frage von Zeus in dem Originalgedicht von Friedrich Schiller aus dem Jahr 1795. „Was können Mann und Frau tun?“ müsste die Frage mit dem Ziel lauten, bei dem Aufbau und Ausbau von Vermögen und Wohlstand professioneller, selbstständiger und erfolgreicher vorgehen zu können. Drei Dinge können viele von uns besser machen:

  1. Finanzwissen aneignen und vergrößern
  2. Lebensziele & finanzielle Ziele und den Weg dahin definieren und
  3. Es einfach TUN!

Dann können Mars und Venus Zeus antworten: „Tun ist wie reden, nur krasser!“

Über diesen Link empfehle ich Ihnen eine amüsante – nicht ganz so wissenschaftliche – Ausführung über die Unterschiede der weiblichen und männlichen Gehirne.
Erkennen Sie jemanden wieder? 🙂

 

 

Erschienen am 01. Februar 2019.

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3 Kommentare zu “Vermögensaufbau: Weibliche Intuition oder männliche Sachlichkeit?

  1. Anita S.

    Guten Tag Herr Serret,
    danke für Ihren Denkanstoss, der mir (als Frau) eigentlich sehr gut gefallen hat. Ich bin nur unsicher, ob man mit der “Genderorientierung” nicht immer die Ergebnisse findet, die man vorher schon angenommen hat. Mein Ehemann ist beispielsweise bei den Anlagethemen stets extrem behutsam, um nicht zu sagen zögerlich und hat enorme Verlustängste, während ich viel rationaler und damit auch selbstbewußter und erfolgsorientierter bin. Wenn es nach ihm ginge hätten wir eine Aktienquote von Null. Ich alleine hätte eine von 90 % und als fairen Kompromiß haben wir uns als Paar dann auf 80 % verständigt.
    Herzliche Grüße aus Heilbronn

    Anita S.

    Antworten
    1. Stefan Serret

      Hallo Anita S.,
      zunächst einmal beglückwünsche ich Sie zu Ihrer Offenheit bezüglich der Wahrnehmung von Anlagechancen. In meiner Beratungspraxis sind es in der Tat meist die Männer, die bereit sind, für gute Chancen ein deutlich höheres Risiko einzugehen. Sie haben vollkommen Recht, dass die “Genderargumentation” machnmal benutzt wird, um ein feststehendes Ergebnis zu “beweisen”. Umso wichtiger sind die im Blog erwähnten Studienergebnisse.
      Herzliche Grüße von Wiesbaden nach Heilbronn
      Stefan Serret

      Antworten

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