VORSICHT VERGLEICHSPORTALE
Gewusst wie.

Von wegen schnell und kostenlos Immobilienkredite oder Geldanlagen checken und das beste Angebot erhalten. Vergleichsportale im Internet haben ihre Tücken. Das sollten Sie wissen.

 

Um sich (scheinbar) schnell, einfach und vor allem gratis für ein Finanzprodukt zu entscheiden, nutzen viele Menschen Vergleichsportale im Internet. Im Handumdrehen den besten Immobilienkredit, das günstigste Wertpapierdepot, das lukrativste Tagesgeldkonto finden… schön wär´s.

Nutzt man Vergleichsportale im Internet, wird man häufig gerade nicht neutral, unabhängig und umfassend informiert.

Stattdessen sind jede Menge Verbraucherrechtsverstöße der in Deutschland tätigen Vergleichsportale an der Tagesordnung. Das hat das Bundeskartellamt kürzlich in einer Untersuchung bestätigt.

 

Wirtschaftszweig Vergleichsportale

Das Bundeskartellamt konzentrierte sich bei seiner Untersuchung auf die für Verbraucher besonders relevanten Bereiche Energie, Telekommunikation, Reisen, Finanzen und Versicherungen.

Das sehr ernüchternde Ergebnis lautet: „Haupteinnahmequelle der befragten Vergleichsportale sind die von den Anbietern für Vermittlungen gezahlten Provisionen.“

Das heißt, viele Vergleichsportale sind intransparent, irreführend und arbeiten mit verdeckter Werbung. Und sie manipulieren Auswahl, Darstellung und Platzierung der Angebote aufgrund der erhaltenen Zahlungen. Das kann Irreführung pur sein!

Das Bundeskartellamt spricht in diesem Zusammenhang von einem „Wirtschaftszweig Vergleichsportale“.

 

Viele Portale zeigen grundsätzlich nur Anbieter an, die Provisionen zahlen

Das Bundeskartellamt bemängelt zum Beispiel, dass die Vergleichsportale lange nicht alle Anbieter für ein Produkt oder eine Dienstleistung in die Auswahl nehmen. Sondern stattdessen grundsätzlich nur die Anbieter auflisten, die den Portalen Provisionen zahlen.

Das heißt: Klickt der Kunde auf dem Vergleichsportal auf ein interessantes Angebot eines Anbieters, verfolgt das Programm zurück, dass vom Vergleichsportal auf die Anbieterseite verlinkt wurde.

Dafür zahlt der Anbieter dem Vergleichsportal eine Vergütung. Entweder pro Klick (Stichwort: Cost-per-Click, CPC). Und/oder, wenn der Kunde beim Anbieter einen Vertrag abschließt (Stichwort: Affiliate-Link).

Anbieter, die keine Provisionen zahlen, erscheinen also erst gar nicht auf dem Vergleichsportal. Die Vergleichsauswahl ist also von Anfang an unvollständig. Marktanbieter fehlen.

 

Je höher die Provision, desto besser das Ranking

Und es kommt noch schlimmer: Je höher die Provision, die ein Anbieter dem Vergleichsportal zahlt, desto besser schneidet der Anbieter in der Vergleichsliste des Portals ab. Der Kunde liegt also falsch, wenn er meint, je besser das Angebot eines Anbieters im Vergleich, desto besser sei dessen angezeigter Rang in der Vergleichsliste.

Vielmehr hat die Höhe der Provisionen Einfluss auf die Reihenfolge der dargestellten Angebote beim Ranking.

 

Der Trick mit dem Klick

Sie als Kunde nutzen den Vergleichsservice „natürlich völlig kostenlos“. Doch wie bei so vielem, was kostenlos scheint, steckt ein intransparentes Geschäftsmodell dahinter. Da bekommt das Wort „Umweg-Rentablität“ doch eine ganz neue Bedeutung.

Um das Geschäftsmodell von Vergleichsportalen zu erahnen, schauen Sie am besten auf den Internetseiten des Vergleichsportals unter folgenden Stichworten (meist ganz unten, am Seitenende): Affiliate-Programm, Partnerprogramm, Vertriebspartner-Programm, Kooperationspartner oder Vergütungsmodell oder Provisionen…

Auf diesen Unterseiten werden dann all jene umworben, über die das Vergleichsportal sein Geld verdient.

Dort lesen Sie zum Beispiel:

Werden Sie Partner …  und binden Sie unsere transparenten Vergleichsrechner in Ihre Seite ein. Ihre User freuen sich über enorme Sparpotenziale und Sie profitieren gleich mit!“

Sie beraten Freunde oder Bekannte bei der Kostenoptimierung und möchten damit Geld verdienen? Dann ist unser Affiliate-Programm genau das Richtige für Sie.“ Und weiter: „Sie zahlen ausschließlich für erfolgreich akquirierte Neukunden eine einmalige Provision.“

Oder auch schön: „Lehnen Sie sich zurück, nutzen Sie unsere Rechner, und lassen Sie Ihre Webseite für sich arbeiten! Bei jedem Abschluss über einen unserer Rechner erhalten Sie Provisionen in Höhe von bis zu 125,00 Euro und mehr. Ohne großen Aufwand können Sie so jeden Monat hohe Gewinne erzielen… unseren Affiliates soll es an nichts fehlen.

Bei einem Vergleichsportal habe ich sogar einen Senior Affiliate Manager entdeckt… Da passt doch die Bezeichnung des Bundeskartellamts von oben: Wirtschaftszweig Vergleichsportale.

 

 

Weitere Tricks der Vergleichsportale

Das Bundeskartellamt bemängelt jedoch noch weitere intransparente Spitzfindigkeiten der Vergleichsportale.

So stellen Vergleichsportale mitunter einzelne Angebote der Rankingliste voran. Sozusagen auf einer Position „0“. Oft noch farblich unterlegt. Dieses Angebot sieht dann aus, wie das konkurrenzlos allerbeste Non-Plus-Ultra-Super-Angebot. Dabei ist es nur der Anbieter, der – Sie ahnen es – dem Vergleichsportal die höchste Provision oder anderweitige Vergütung zahlt.

Oft kommt es auch vor, dass Angebote auf dem Vergleichsportal als exklusiv gekennzeichnet sind – obwohl sie sich zu den gleichen Konditionen auch anderweitig finden lassen.

Manchmal werden auf dem Vergleichsportal zu einzelnen Angeboten auch bestimmte Vorteile oder Gutschriften zugesagt. Versucht der Kunde, diese dann einzulösen, scheitert er häufig an den komplizierten oder umfangreichen Bedingungen dafür.

 

Vermeintlich eigenständige Portale? Fehlanzeige!

Und selbst wenn man sich als Verbraucher auf mehreren Portalen erkundigt, bringt das keine Sicherheit. Denn letztlich existieren in den einzelnen Bereichen (Kredite, Tagesgeldkonto usw.) jeweils nur wenige große Portale.

Diese kooperieren häufig auch noch miteinander und verwenden oft dieselbe (manipulierte) Datenbasis.

So kann es sein, dass man sich nach der Recherche auf unterschiedlichen Portalen in einer Entscheidung bestärkt fühlt, da man sich freut, dass verschiedene Vergleichsportale zum selben Ergebnis kommen. Wenn drei Portale dieses Produkt übereinstimmend als top bewerten, dann muss es ja wohl das Beste auf dem Markt sein… Oder?

Tatsächlich sind die Portale jedoch nicht unabhängig und provozieren mit Absicht diese irrige Annahme. Einmal mehr passt die Bezeichnung von oben: Wirtschaftszweig Vergleichsportale.

 

Und was bedeutet das nun konkret für Sie?

Zwar können Vergleichsportale im Internet die eigene Entscheidung für ein Finanzprodukt, wie Immobilienkredit, Wertpapierdepot oder Tagesgeldkonto beschleunigen und verbessern. Sie können jedoch auch manipulieren und im Ergebnis eine schlechte Entscheidung mit einem guten Gefühl bewirken.

Vergleichsportale stehen zu Recht „immer wieder in der Kritik, im Hinblick auf zentrale Faktoren wie die Eigenständigkeit des Vergleichs, die Breite der Marktabdeckung, das Ranking der Angebote, die Hinweise auf Verfügbarkeiten oder den Umgang mit Bewertungen nicht hinreichend neutral bzw. transparent zu sein“, so das Bundeskartellamt.

  • Deshalb gilt wie immer bei „kostenlosen Services“: Ratsuchende sollten kritisch und misstrauisch sein. Es gibt nichts umsonst.
  • Finden Sie zunächst heraus, wie transparent und neutral das Vergleichsportal tatsächlich ist.
  • Und zwar wirklich bevor Sie mit der inhaltlichen Suche beginnen. Sonst bekommen Sie nämlich das ggfs. manipulative Ergebnis nicht mehr aus dem Kopf heraus (als Erinnerung können die Kapitel 4 „Gefrorene Entscheidung“ sowie Kapitel 10 “reisanker” in meinem Buch „Einfach genial entscheiden – Die 55 wichtigsten Erkenntnisse für Ihren Erfolg“ dienen).
  • Der Betreiber des Vergleichsportals sollte die Umstände und Bedingungen erklären, auf deren Basis er zu der Rankingliste kommt, die er Ihnen letztlich als Ergebnis anzeigt. Viele Vergleichsportale scheitern schon an dieser vertrauensbildenden Transparenz.
  • Wie finanziert sich das Vergleichsportal? Werden Vergütungen, Provisionen und ähnliche Zahlungen von den Anbietern an das Vergleichsportal geleistet (CPC, Affiliate-Link)?
  • Wenn ja, nach welchen Bedingungen?
  • Sind überhaupt alle Marktanbieter berücksichtigt? Oder ist der Vergleich von Anfang an nur auf einzelne Anbieter beschränkt?
  • Ist das Vergleichsportal eigenständig? Wo kommen die Vergleichsdaten her?
  • Diese Ergebnisse und Überlegungen gelten übrigens nicht nur für Kredite, Versicherungen und andere Finanzprodukte. Sondern auch für Vergleichsportale zu Hotels, Flügen, Strom oder Telekommunikation…

 

Machen Sie es wie ich

Hinterfragen Sie Ihre Einstellung zur Gratis-Kultur und nehmen Sie den Satz ernst, dass Gratis-Angebote letztlich besonders teuer sind.

Überlegen Sie ob 1,50 Euro oder 3 Euro für einen Vergleich der Stiftung Warentest nicht ein angemessenes Investment für wirklich neutrale und unmanipulierte Marktinformation sind.

Auf test.de finden Sie aktuelle Vergleiche vom Baukredit, über´s Festgeld bis zur BU-Versicherung – neutral, werbefrei und unabhängig.

Ich selbst bin regelmäßiger Kunde von test.de, kaufe und lese auch die Zeitschrift Finanztest. Und auf Vergleichsportalen war ich ja nur ausnahmsweise unterwegs, um Sie qualifiziert warnen zu können.   🙂

 

Wenn dieser Beitrag gut war, dann bitte weiterempfehlen – ganz provisionsfrei…

Herzliche Grüße
Hartmut Walz
Sei kein LeO!

 

Erschienen am 05. April 2019.

Der Hartmut Walz Finanzblog ist unabhängig, kosten- und werbefrei. Ich erhalte für Links und Empfehlungen keinerlei Honorar, Kick-back, Beteiligung o. ä.

 



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6 Kommentare zu “Vorsicht Vergleichsportale – Gewusst wie.

  1. Heinz-J. Jordan

    Ein sehr informativer Artikel, detalliert, analytisch und doch allgemein verständlich.
    So habe ich Sie kennen und schätzen gelernt.

    Herzliche Grüße aus dem Norden

    Antworten
  2. Weber Fridolin

    Hallo Herr Prof. Walz,
    Ihren Beitrag finde ich wie immer (bis auf den letzten Werbe-Abschnitt) super, danke hierfür.
    Aber jetzt haben Sie mächtig Werbung für Stiftung Warentest gemacht, obwohl deren Recherechen und
    Ergebnisfindungen oftmals mehr wie zweifelhaft sind. Abgesehen davon, kann es gar nicht sein, dass die
    Spezialisten sind für : Tagesgeld, Baugeld, BU-Absicherung, Versicherungen, für Hundefutter und PV-Anlagen, und so weiter.
    Da hätte ich mir von Ihnen eine andere Auffassung gewünscht, denn in allen Bereichen geht nichts über Spezialistn und manche Beraten auch
    unabhängig oder zumindest genauso unabhängig wie SW.
    Schönes Wochenende

    Antworten
    1. Walz Artikelautor

      Lieber Herr Weber, danke für Ihr Urteil „Super“ zum Beitrag.

      Zum letzten Abschnitt: Ich wüsste nicht, warum ich die Testberichte nicht empfehlen sollte. Mir ist nichts bekannt, was “an den Recherechen und Ergebnisfindungen oftmals mehr wie zweifelhaft” wäre. Das ist eine starke Behauptung von Ihnen. Im Gegenteil: Für Verbraucher finde ich die Stiftung Warentest und ihre Methoden recht überzeugend: https://www.test.de/unternehmen/testablauf-5017344-0/

      Da auch bei der Stiftung Warentest nur Menschen sitzen, kommt es auch dort gelegentlich zu Fehlern – völlig klar. Jedoch sind die dort veröffentlichten Tests i. d. R. frei von systematischen Mängeln, „Fake News“ und als Neutralität verpackter Werbung. So lange es also keinen Himmel auf der Erde und nichts besseres gibt, werde ich “Stiftung Warentest” und „Finanztest“ aus Überzeugung weiter empfehlen.

      Und dass ich im Übrigen keine Lanze für spezialisierte unabhängige Berater brechen würde, kann man ja wirklich nicht sagen 😉
      Herzliche und respektvolle Grüße, Hartmut Walz – Sei kein LeO!

      Antworten
    1. Walz Artikelautor

      Liebe/r Frau/Herr Dais, genau so ist es gedacht 😉
      Herzliche Grüße, Hartmut Walz – Sein kein LeO!

      Antworten

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